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Spielplätzen - Wann haftet der Betreiber?

 

Auf Spielplätzen können Kinder nach Herzenslust toben, klettern und sich ausprobieren. Sie fördern nicht nur die körperliche Entwicklung eines Kindes, sondern auch dessen soziale Kompetenz. Der Begriff „Sandkastenfreund“ kommt schließlich nicht von ungefähr.

Allerdings vergeht der Spaß schnell, wenn das Kind auf dem Spielplatz einen Unfall erleidet und sich verletzt. Doch ist in jedem Fall der Spielplatzbetreiber dafür haftbar zu machen?

Nicht zwangsweise, denn entscheidend sind hier einerseits die Unfallfolgen und andererseits die Ursache. 

Welche Verletzungen müssen hingenommen werden?

Eine hundertprozentige Sicherheit kann auf einem Spielplatz nicht gewährleistet werden und bestimmte Risiken müssen in Kauf genommen werden, wenn Kinder die Spielgeräte benutzen. „Blaue Flecken“ und aufgeschürfte Knie sind z. B. Verletzungen, mit denen Sie in der Regel auch bei der sachgerechten Benutzung und einem einwandfreien Zustand des Spielplatzes rechnen müssen. Doch auch Zerrungen, Brüche oder sogar Gehirnerschütterungen können im Einzelfall zu den kalkulierbaren Risiken zählen. 

Die ÖNORM EN 1176, welche die europaweit geltenden sicherheitstechnischen Anforderungen an Spielgeräte regelt, legt im „Beiblatt 1: 2009-01“ fest, dass die Geräte auf einem Spielplatz  so beschaffen sein müssen, dass der Verlust von

    Leben,

    Mobilität,

    Sinneswahrnehmung und

    Gliedmaßen

 

vermieden wird. Verletzungen, wie sie auch im Sport vorkommen können, sind in der Regel in Kauf zu nehmen.

Die Unfallursache ist entscheidend

Viel wichtiger als die Unfallfolge ist jedoch die Frage, wie es überhaupt zu dem Unfall kam. Denn selbst wenn ein Kind „nur“ einen Armbruch erleidet, kann der Betreiber haftbar gemacht werden, sollte die Verletzung bei sachgemäßer Benutzung der Spielgeräte nicht kalkulierbar gewesen sein.

Die europäischen Normen legen sehr strenge Richtlinien für Spielplätze und Spielgeräte fest, um eben solche Verletzungen zu vermeiden. Kommt es dennoch dazu, liegt das üblicherweise daran, dass gegen diese Richtlinien verstoßen wurde, weil z. B.

     der Hersteller der Spielgeräte nicht die nötigen Vorschriften eingehalten hat.

     der Bau des Spielplatzes nicht ordnungsgemäß geplant wurde.

     die Spielgeräte von der Montagefirma nicht sachgemäß montiert wurden.

 

Führt ein solcher Verstoß zum Unfall, muss meist nicht der Spielplatzbetreiber haften, sondern der jeweilige Verantwortliche, z. B. die Montagefirma. 

Der Betreiber ist allerdings dazu verpflichtet, regelmäßige Wartungen bzw. Inspektionen der Spielgeräte durchführen zu lassen und Mängel umgehend zu beseitigen. Unterlässt er dies und kommt es deshalb zu einem Unfall, kann er dafür haftbar gemacht werden. Ist z. B. eine Leiter morsch und stürzt das Kind deshalb vom Spielturm, muss der Betreiber möglicherweise Schadensersatz leisten. Daran ändert auch das Aufstellen von Schildern wie „Eltern haften für ihre Kinder!“ nichts.

Kam es aufgrund von unsachgemäßen Gebrauch der Spielgeräte oder Verstößen gegen die Spielplatzordnungaufgrund zum Unfall, weil das Kind sich z. B. auf die Sitzfläche der Schaukel gestellt hat und dabei gestürzt ist, kann der Betreiber hingegen für gewöhnlich nicht zu Verantwortung gezogen werden.